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Die Drachen in Japan und Asien strecken ihre Klauen aus!

Anleger sind Japan gegenüber lange Zeit skeptisch gewesen, da von überalterter Gesellschaft, schwacher Produktivität und geringen Wachstumsaussichten die Rede war. Nur langsam spricht es sich herum, dass Japan seine wirtschaftlichen und demographischen Probleme zwar nicht völlig gelöst hat, doch die Unternehmen gut verdienen und die Börsen attraktiv sind. Sowohl der Aktienindex Nikkei mit seinen 225 Firmen als auch der breiter gefasste Topix haben jüngst den höchsten Wert seit Anfang der 1990er Jahre erreicht. Die japanische Wirtschaft befindet sich derzeit in ihrer längsten Wachstumsperiode seit mehr als zehn Jahren. Geld- und Fiskalpolitik sind weiterhin großzügig, die Unternehmensgewinne liegen auf einem Rekordhoch und viele Firmen erhöhen ihre Investitionsausgaben. Das gibt Anlegern genug Gründe, ihre Erwartungen im Hinblick auf Japan nach oben zu revidieren. Gemessen an der fundamentalen Situation der Unternehmen und den Börsenbewertungen sind japanische Aktien im weltweiten Vergleich relativ günstig. Die japanische Regierung gilt nach ihrer Wiederwahl als eine der weltweit stabilsten und setzt ihren Reformkurs weiter fort. So will die Regierung verschiedene Anreize dafür setzen, dass die Firmen ihre operative Effizienz steigern, ihre Eigenkapitalrenditen erhöhen, ihre Corporate Governance verbessern, mehr Beschäftigte einstellen, höhere Dividenden zahlen und in verstärktem Umfang Aktien zurückkaufen – wovon die Anleger direkt profitieren würden. Hinzu kommt der steigende Wohlstand in den asiatischen Nachbarstaaten Japans, der neben den global bekannten Exportfirmen immer mehr andere japanische Unternehmen Wachstum außerhalb ihres Heimatmarktes beschert. Die Börse in Japan hat fünf Jahre in Folge positive Ergebnisse erzielt und die Kurse haben sich im Schnitt seit ihrem Tiefstand verdoppelt. Die Reformen von Premierminister Abe entfalten ihre Wirkung, die Bewertungen japanischer Aktien sind unter Berücksichtigung der Wachstumsaussichten für die Unternehmensgewinne weiterhin recht vernünftig. Andererseits sind die makroökonomischen Herausforderungen Japans gewaltig. Auf der Negativseite steht der ungünstige Altersaufbau der Gesellschaft. Die vorhandene Kinderarmut zeigt die Unfähigkeit der Politik, durch geeignete Anreize daran etwas zu ändern. Vieles hängt davon ab, welche Weichen die Regierung Abe stellen wird. Als positives Zeichen für ein sich weiter öffnendes Land ist das jüngst beschlossene Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union sowie der zunehmende Tourismus.

Was die Region Asien im Ganzen angeht, wird der Konsum weiter von steigenden Einkommen angetrieben. Davon profitiert sehr stark China. Als einer der günstigsten Märkte in Asien mit Aufwärtsspielraum gilt Südkorea. Drittens steht Indien im Fokus. Die Ertragsaussichten werden sich wahrscheinlich verbessern, nachdem 2017 diverse Reformen Teile der Wirtschaft belastet hatten. Insgesamt wächst die Mittelschicht Asiens und mit ihr die Nachfrage, die sich auf starke Marken in den Bereichen Nahrungsmittel, Kosmetik, Reisen, Automobile, Datenanbieter, E-Commerce, Smartphones und Elektroartikel fokussiert. Davon profitieren unter anderem die Branchen Telekom, Konsumgüter, Finanzen und das Top-Thema Technologie. Asien ist der am schnellsten wachsende Markt für „Smart Devices“ (Intelligente Geräte). Laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) und der Schweizer Großbank UBS gab es 2016 erstmals in Asien mehr Milliardäre (637) als in den USA (563). Im Schnitt brachte Asien laut der Studie jeden zweiten Tag einen neuen Milliardär hervor. Die Studie analysierte gut drei Viertel des weltweiten Vermögens von Milliardären - mit Schwerpunkt in den USA, Asien und Europa. Asiatische Milliardäre sind dabei mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren vergleichsweise jung und besitzen Anteile an Firmen, die rund 28 Millionen Menschen weltweit beschäftigen.

Aber auch innerhalb Asiens gibt es Länder, die noch nicht so fortgeschritten sind und deutlich ärmer sind, oder anders ausgedrückt: die noch mehr Aufholpotenzial haben. Dazu zählen vor allem die sieben Tigerstaaten Indien, Indonesien, Pakistan, Bangladesh, Sri Lanka, die Philippinen und Vietnam. Diese Staaten brachten es in 2017 auf eine durchschnittliche Wachstumsrate von rund 6 Prozent, was einerseits an dem Aufholpotenzial, andererseits aber auch an der jungen und wachsenden Bevölkerung liegt. Deren Median-Alter liegt zwischen 22 und 32 Jahren, in Deutschland steht es bei über 46 Jahren. Der Median ist der Punkt, an dem genau die Hälfte darunter und die andere darüber liegt. So gehen Analysten davon aus, dass mit dem höheren Wachstum der Wirtschaft auch eine stärkere Gewinnsteigerung bei den Unternehmen dieser Länder einhergeht – mit entsprechenden Folgen für deren Aktienkurse.

Fazit: Auch wenn die kurzfristige Entwicklung des Aktienmarkts ungewiss ist, dürfte der langfristige Trend an den asiatischen Börsen weiter aufwärtsgerichtet sein und neue Höchststände markieren.

  • Japans Durchschnittsalter (Median-Alter) 1950 bis 2020
    Japans Durchschnittsalter (Median-Alter) 1950 bis 2020
  • Vermögen von Milliardären in Asien, Europa und den USA
    Vermögen von Milliardären in Asien, Europa und den USA
  • Entwicklung des Netto-Geldvermögens pro Kopf nach unterschiedlichen Regionen von 2006 bis 2016 (2006=100)
    Entwicklung des Netto-Geldvermögens pro Kopf nach unterschiedlichen Regionen von 2006 bis 2016 (2006=100)
  • Demografischer Vergleich zwischen 7 Tigerstaaten und Deutschland
    Demografischer Vergleich zwischen 7 Tigerstaaten und Deutschland
veröffentlicht am
  • Hoffnungsreicher, aktiv gemanagter VL-Fonds für den Raum Asien/Pazifik:
    JPM Pacific Equity (LU0052474979)