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China: Land der Gegensätze und Mega-Ökonomie!

Chinas Aktienmarkt hat mit der Aufnahme in den MSCI Emerging Markets Index vergangenes Jahr stark an Bedeutung gewonnen. Der Mega-Staat ist mit Abstand das größte und wichtigste Schwellenland, die zweitgrößte Ökonomie der Welt und trägt ein Drittel zum globalen Wachstum bei. Die chinesische Wirtschaft wächst weiterhin, so stieg das BIP für 2017 um 6,9 Prozent. Dies ist das erste Mal seit 2010, dass sich das jährliche Wachstum in China gegenüber dem Vorjahr verbessert. Chinas Präsident Xi Jinping bemüht sich, einen Wandel hin zu einem Konsum- und Dienstleistungsmarkt zu vollziehen und fördert wie kein anderes Land die Elektromobilität. So gilt in China ab 2019 für jeden Hersteller eine Quote von 10 Prozent für Elektroautos. Momentan ist der Industriesektor noch fast für die Hälfte der chinesischen Wirtschaftsleistung verantwortlich. China befindet sich seit mehreren Jahren in einem großangelegten Transformationsprozess hin zu einer Volkswirtschaft, die nach dem Willen der Regierung bald weniger vom Export in den Westen abhängig sein soll. So haben die Megastädte an der Ostküste, in denen 90 Prozent der Wertschöpfung entsteht, eigentlich gar keinen Schwellenland-Charakter mehr. Der ländliche Norden und Westen ist hingegen nach wie vor unterentwickelt. Für 2018 prognostizieren Analysten ein Konjunkturplus von 6,5 Prozent, auch wenn die immer noch hohe Verschuldung der Unternehmen und der überhitzte Immobilienmarkt vielen Marktteilnehmern Bauchschmerzen bereitet.

Auch wenn der wirtschaftliche Kollaps Chinas bereits mehrfach ausgerufen wurde, sprechen einige Gründe für Chinas Wirtschaft. Das Land arbeitet fieberhaft an seiner weltweit technologischen Spitzenposition. So rücken die Börsenwerte der drei großen Internetunternehmen Alibaba, Baidu und Tencent ihren amerikanischen Pendants Amazon, Google und Facebook immer näher. Der chinesische Internet-Konzern Alibaba wächst mit seiner Verkaufsplattform und des Cloud-Geschäfts a la Amazon beinahe hemmungslos und macht dabei kräftige Gewinne. Baidu, das chinesische Google, beherrscht in Fernost den Suchmaschinen-Markt, dominiert den Markt in China und expandiert zunehmend in andere Schwellenländer. Mittlerweile betreibt Baidu auch Suchmaschinen in Thailand, Brasilien und Ägypten und will sich in Afrika, Südostasien und Lateinamerika weiter ausbreiten. Der Online-Gigant ist aber längst mehr als eine Suchmaschine. So können die Nutzer auf Baidu.com beispielsweise Videos schauen, Games spielen und Lieder hören. Außerdem eröffneten die Chinesen 2013 ein eigenes Filmstudio in Hollywood und mit dem Kauf der Videoplattform PPStream will Baidu YouTube angreifen. Das Erfolgsrezept von Tencent wiederum ist es, erfolgreiche Beteiligungen abzuspalten und an der Börse zu vermarkten. Mit täglich rund einer Milliarde Nutzer ist beispielsweise die WeChat-App so eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen verfügt die App neben den ursprünglichen Chat-Diensten auch über eine mobile Bezahlfunktion, die damit in direkte Konkurrenz zu Diensten wie PayPal tritt.

Wirtschaftlich, etwa gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, ist China nach wie vor eine aufstrebende Volkswirtschaft und hat noch viel Raum, um zu den Industrieländern aufzuschließen. Bereits heute nutzen mehr als die Hälfte regelmäßig das Internet und der Markt für digitales Bezahlen ist beispielsweise fünfzig Mal so groß wie der amerikanische. Chinesen könnten sich mittelfristig vom globalen Sparer zum globalen Konsumenten entwickeln. Immerhin betragen die privaten Ersparnisse mittlerweile 27 Billionen Dollar. Aber auch die Regierung ist umtriebig. So läuft etwa Chinas Billionen-Programm „Neue Seidenstraße“ gerade an und soll in den kommenden Jahren Unternehmen im Reich der Mitte und seinen Nachbar-Volkswirtschaften volle Auftragsbücher bescheren. Das gigantische Infrastrukturprogramm umfasst den Ausbau neuer Eisenbahnlinien, Straßen und Seeverbindungen von China nach Europa und Afrika. Dafür will Peking mehr als eine Billion Dollar in rund 65 Ländern investieren. Außerdem hat China schon in den letzten Jahren eine Kampagne gestartet, mit der der Staatssektor auf Vordermann gebracht werden soll - etwa durch Konzernzusammenschlüsse, Abbau von Überkapazitäten oder durch Schließung unrentabler Firmen. Damit sollen die Staatsbetriebe größer, stärker und effizienter gemacht werden.

Fazit: Chinas Wirtschaftsschwenk scheint bislang zu funktionieren. War das Land vor wenigen Jahren noch die Werkbank der industrialisierten Welt, trägt inzwischen das konsumfreudige Volk am meisten dazu bei, die Produktion zu erhöhen.

  • Chinas BIP-Wachstum 1990 bis 2017
    Chinas BIP-Wachstum 1990 bis 2017
veröffentlicht am
  • Aufstrebender, konsumorientierter VL-Chinafonds:
    Fidelity China Consumer (LU0594300096)